Astrid Schröder – Kunst im Foyer

Das Interesse am Optischen oder L´Art pour L´Art ?

 

Wir sind konfrontiert mit großen Formaten, gegenstandslos teilweise fast monochrom, in verschiedenen subtil abgestuften Blautönen – sind umgeben von reiner Farbe,

dem scheinbaren Nichts. Keine Ikonographie, ohne Bedeutungsschwere, was will die Künstlerin uns sagen, will sie provozieren oder ist es nur Kunst um der Kunst willen?

Keine Provokation, keine Politik, keine Körperlichkeit, gesuchte Hässlichkeit – Nein.

 

 

Nichts von alledem. Hier ist Kunst Kunst und zugleich alles. Musik, Bewegung, Rhythmus, Tanz, Raum, Oszillation, Licht und Schatten, Auflösung fester Raumgrenzen….. Magie. Unser Körper reagiert, der Verstand wird herausgefordert, unsere Sinne werden auf die Probe gestellt. Als gestische Malerin würde ich diese konzentriert Komponistin nicht bezeichnen, dazu arbeitet sie zu überlegt an der Grenze zur Physik. Sie ist eine Kennerin der Farbe, ihrer Wirkung als raumbildendes Element. Sie weiß um Anordnung einer Reihe, die entweder zurückweicht oder nach Vorne drängt, aus der Fläche herauszuspringen scheint. Sie kennt die Sogwirkung einer Verjüngung ihres Strichs – Pinselansatz mit einem `Kopf` nach unten schmaler auslaufend. Diese `gestische` Kraft widerspricht einer rein linearen Ausdeutung von Schröders Arbeiten. Jeder Strich, jede Linie wird Volumen, wird Ornament haptisch und flächig zugleich.

 

Wir kennen solche Effekte von den römischen Mosaikfußböden, aber auch aus der Fußbodengestaltung des Barock bzw. Spätbarock. Auch die Wandornamentik des Rokoko arbeitet mit Illusionen von Raum und Natur, um architektonische Raumgrenzen aufzulösen.

 

 

Hier versetzt Sie den sakralen Raum in Schwingungen, lässt ihn nach oben schweben ins himmlische Paradies.

 

Aha, hier haben wir die Ikonographie, die Bedeutungsschwere in einer Subtilität, Zartheit und doch Gewalt, die einem angesichts dieser Reinheit von Farbe, dieser Absenz von irgendetwas außer der reinen Farb-Form die kunsthistorischen sprichwörtlichen Tränen der Andacht in die Augen treibt.

 

Aber Astrid Schröder ist keine Zauberin, sondern arbeitet doch ganz offensichtlich als Malerin. Was passiert denn nun genau. Was sehen wir? Erst einmal eine komplett bemalte Fläche, ohne Rand, ohne Mitte, ohne Vorder- und Hintergrund. Reines Ornament, ein Hauch orientalischer, bildfreier Arabeske? Virtuelle Bewegung, virtueller Raum, Rhythmik und Metrik….ein magischer Kosmos des Sehens. Quasi una Musica? Das ist der Titel einer Recherche zum Ideal des Musikalischen in der Malerei ab 1800, die mein hochverehrter Dozent Dr. Karl Schawelka als Habilitation veröffentlicht hat. Die Musik als die reinste, abstrakteste Kunstform hat die bildenden Künstler umgetrieben auf der Suche nach adäquaten Mitteln in der Malerei. Und hier kommen wir auf den Titel von Astrid Schröders Ausstellung: Strömungen, Schwingungen, Notationen. Ist es im Zeitalter der Audioguides denn überhaupt noch möglich, sich direkt und sinnlich auf die Kunst einzulassen, sich hinzugeben ohne Erklärungsfilter. So wie wir Musik nicht nur intellektuell erfassen, sondern körperlich und frei. Vergleichbar der Musik, die nicht Nachahmung der Natur, nicht ihr Abbild ist, schichtet Schröder Farben zu Akkorden, die uns physisch packen, bewegen und ergreifen. Der wunderbare Kulturphilosoph Ernst Cassierer hat in den 20er Jahren über die neuen Kunstbestrebungen gesagt: Es geht um eine ursprünglich bildende, nicht bloß nachbildende Kraft. Sie drückt nicht bloß Vorhandenes aus, sondern schafft sich eigene symbolische Gestaltungen. Astrid Schröder ist auch eine mutige Künstlerin. Sie vertraut auf den Instinkt des Betrachters und zieht sich selbstbewusst zurück. Das hat Stil und Eleganz, Souveränität und Klasse.

 

 

Astrid Schröder wurde 1962 in Wilhelmshaven geboren. In eine Zeit des künstlerischen Aufbruchs. Junge Künstler begeben sich in wissenschaftlich anmutenden Vereinigungen wie der Gruppe Zero oder der Groupe de Recherche d´Art Visuel auf die Suche nach neuen Wegen aus der traditionellen Schule des Sehens und der Ästhetik. Manifeste werden geschrieben. Die Optical Art und die Kinetische Kunst stellen vertraute Sehgewohnheiten auf den Kopf. Die Kunst befreit sich von traditionellen Bildinhalten und schafft neue mit Feuer, Wasser, Bewegung, Licht, die nun auf einen ikonologischen und ikonographischen Sockel neuer akademischer Freiheit gestellt werden.

 

 

Astrid Schröder tritt nun mutig in diese großen Fußstapfen einer Bridget Riley, Carlos Cruz Diez, Jesus Raphael Soto, die eine universelle Kunst geschaffen haben. Eine, die wir heute noch rezipieren können, weil sie zeitlos, elegant mit großer Geste, traumwandlerisch pure Ästhetik serviert. Dafür müssen wir Dir, liebe Astrid dankbar sein. Denn die Begriffe der Schönheit, der Ästhetik, der Eleganz sind in den letzten Jahren häufig im lauten Geschrei der Figuration untergegangen. Du bist noch ein junges Mädchen im Vergleich zum großen, alten Grandseigneur deutscher Kunst Gerhard Richter, der nach jahrzehntelanger künstlerischer Arbeit nun in der Freiheit reiner Farbe und Form gelandet ist.

 

 

Michaela Grammer,  Kunsthistorikerin

Einführung in die Ausstellung "Stömungen, Schwingungen, Notationen" im Foyer des Stadttheaters Amberg, 2018.

 

 

 

 

 

 

 

 


DOM PLATZ 5

Informations- und Besucherzentrum 

am Dom St. Peter

Kunstfenster

 

In der Zeit zwischen dem Oster- und dem Pfingstfest ist das Diptychon 6 : 5 : 014 der Regensburger Malerin Astrid Schröder im Schaufenster des Informationszentrum zu sehen.

 

Tel.: (0941) 597-1662

e-mail: domkapitel@bistum-regensburg.de

Regensburg